Pferde im Klimawandel: Herausforderungen und Anpassungsstrategien
ⓘ Wie klimatische Veränderungen Futterqualität, Gesundheit und Management beeinflussen – leise, aber tiefgreifend: Die Versorgungssicherheit sinkt. Das Gesundheitsrisiko steigt.
Steigende Temperaturen, unregelmäßige Regenfälle und extreme Wetterereignisse beeinflussen unsere Ernten – von Totalausfällen bis hin zu Überproduktionen. Dadurch verändern sich auch die Nährstoffgehalte und die hygienische Qualität unserer Futtermittel. Gleichzeitig nehmen Staub- und Pollenbelastung zu und neue Krankheitserreger breiten sich aus. All das wirkt sich direkt auf die Gesundheit unserer Pferde aus.
Dieser Überblick zeigt, welche Folgen bereits sichtbar sind und welche Anpassungsstrategien im Stall und auf der Weide sinnvoll sind – fundiert und praxisnah.
A) Folgen des Klimawandels für Pferde
1. Wie der Klimawandel die Futterqualität beeinflusst
- schwankende Energiegehalte
- steigende Zuckergehalte
- sinkende Eiweißgehalte
- veränderte Mineralstoffprofile und Strukturanteile
- erhöhte Schimmel‑, Bakterien‑ und Mykotoxinbelastung
- geringere Lagerstabilität von Heu und Stroh
Diese Veränderungen wirken sich direkt auf Stoffwechsel, Atemwege, Verdauung und Immunsystem aus. Besonders empfindliche Pferde reagieren sensibel auf diese Schwankungen.
2. Höhere Belastung durch Staub, Pollen und Schimmel
Längere Vegetationsperioden führen zu:
- längerer Pollenflugzeit
- höheren Pollenkonzentrationen
- stärkerer Staub- und Sporenbelastung
Das belastet Atemwege und Immunsystem – besonders bei Allergikern und Pferden mit chronischen Atemwegserkrankungen. Es erhöht das Risiko an Equinem Asthma zu erkranken.
3. Neue Parasiten und Krankheitserreger
Mit steigenden Temperaturen breiten sich wärmeliebende Arten aus. Dazu gehören:
- veränderte Mücken- und Zeckenpopulationen
- neue bakterielle und virale Risiken
- erhöhte Wurmbelastung
Das erfordert angepasste Stall‑ und Weidemanagementstrategien.
B) Anpassungsstrategien für Pferdestall und Weide
Anpassung ist der Schlüssel. Durch intelligentes Weidemanagement und agroforstliche Elemente lassen sich Weideökosysteme stabilisieren, Biodiversität steigern und das Mikroklima am Stall spürbar verbessern. Pferde tragen mit ihrem natürlichen Weideverhalten aktiv zur ökologischen Regulation bei: Sie erhalten Vegetationsstrukturen und schaffen durch ihr selektives Fressverhalten ein Mosaik aus kurzgefressenen Bereichen, höheren Pflanzen und offenen Bodenstellen. Diese Dynamik lässt sich gezielt nutzen, um Humusaufbau zu fördern und artenreiche, klimaresiliente Weidesysteme langfristig zu fördern.
1. Biodiversität fördern und Mikroklima verbessern
a) Artenreiche Wiesen
Artenreiche Bestände sind stabiler gegenüber Hitze, Trockenheit und Starkregen. Sie liefern ausgewogenere Nährstoffprofile und stabilere Erträge.
Maßnahmen für ein angepasstes Weidemanagement:
- Weiderotationssysteme mit ausreichend Ruhezeiten
- angepasste Besatzdichten
- Nutzungszeiten nach Wetter, nicht nach Kalender
- mehr „Ungepflegtheit“ für Biodiversität und Mikrohabitate
- regionale, standortangepasste Saatgutmischungen
- trockenresistente Gräser und Tiefwurzler
- gezielte Nachsaat (z. B. mit Drohnen)
b) Bäume und Sträucher
Heimische Gehölze schaffen eine lebendige Infrastruktur. Sie sorgen für:
- Schatten und Kühlung
- Windschutz
- Wasserrückhalt im Boden
- zusätzliche Futtervielfalt
c) Blühstreifen und Totholzhecken
Blühstreifen und Totholzhecken bieten Insekten wichtige Lebensräume, fördern das Bodenleben, verbessern die Bodenqualität und tragen insgesamt zu mehr ökologischer Stabilität bei.
2. Klimarobuste Infrastruktur und Bewirtschaftung
- standortangepasste, hitze‑ und wetterrobuste Stallkonzepte
- Ressourcenmanagement von Wasser und Energie
- optimierte Lagerflächen bei reduziertem Flächenverbrauch
- bodenschonende Erntetechnik
- präzise Düngung und Nachsaat
3. Fütterung flexibel anpassen
Regelmäßige Qualitätskontrollen und kleine Anpassungen sind entscheidend:
- Heuqualität analysieren lassen
- Protein- und Mineralstoffversorgung gezielt ausgleichen
- Überversorgung und Futterverschwendung vermeiden
- Wasserzufuhr sichern
- besonders junge, alte und chronisch kranke Pferde im Blick behalten




