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Omega‑3 in der Pferdefütterung: Was wirklich stimmt – wissenschaftliche Fakten statt Mythen

 Ernährungsphysiologisches Potenzial von Omega‑3‑Fettsäuren beim Pferd

Viele Pferde sind nicht ausreichend mit Omega‑3‑Fettsäuren versorgt. Dazu trägt in der heutigen Fütterung oft ein Überangebot an Omega‑6‑Fettsäuren (Linolsäure) aus getreide- oder fettreichen Rationen bei, das die Verwertung von Omega‑3‑Fettsäuren im Stoffwechsel hemmen kann. Durch ein unausgewogenes Verhältnis von Omega‑6 zu Omega‑3 entsteht ein proentzündliches Milieu, das entzündungsassoziierte Krankheiten begünstigen, die Regeneration beeinträchtigen und das Immunsystem schwächen kann.

In diesem kompakten Überblick erfährst du, warum Omega‑3 für Pferde so wichtig ist und welche Quellen sinnvoll sind.

 1. Was Omega‑3‑Fettsäuren beim Pferd bewirken

Omega‑3‑Fettsäuren gehören zu den lebenswichtigen Fettsäuren und unterstützen zentrale Körperfunktionen:

  • entzündungshemmende Prozesse
  • Stoffwechsel und Zellfunktionen
  • Immunsystem
  • Gewebereparatur und Regeneration

Besonders wertvoll sind die biologisch aktiven Formen EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Sie kommen vor allem in Algenöl und Fischöl vor. 

Für Pferde mit chronisch‑entzündlichen Erkrankungen bieten EPA und DHA ein großes ernährungstherapeutisches Potenzial.

2. Pflanzliche Quellen: Warum ALA nicht ausreicht

Leinöl, Chiasamen und Hanfsamen liefern vor allem ALA (Alpha‑Linolensäure) – die Vorstufe von EPA und DHA. Studien (u. a. Kentucky Equine Research) zeigen jedoch:

➡️ Die Umwandlungsrate von ALA zu EPA/DHA ist beim Pferd extrem gering.

Das bedeutet:

  • Leinöl verbessert zwar das Omega‑3‑/Omega‑6‑Verhältnis
  • führt aber nicht zu einem relevanten Anstieg von EPA/DHA in den Zellmembranen
  • und ist daher kein Ersatz für EPA/DHA bei entzündlichen Prozessen

Leinöl ist sinnvoll als Energiequelle – aber nicht therapeutisch wirksam bei Entzündungen.

3. Wann eine Ergänzung therapeutisch sinnvoll sein kann

Mehrere Studien weisen darauf hin, dass die Supplementierung mit langkettigen Omega‑3‑Fettsäuren (EPA und DHA) einen protektiven und therapeutischen Nutzen bei verschiedenen Erkrankungen haben könnte:

🫁 EQUINES ASTHMA

Nogradi et al. (2015) zeigten eine Reduktion des Hustens um 60 %, der Atemanstrengung um 48 % und einen Rückgang der Neutrophilen in der BAL von 23 % auf 9 %. 

WICHTIG: Sowohl die Studien‑ als auch die Kontrollgruppe wurden staubarm gefüttert.

🩺 MAGENGESUNDHEIT (EGUS)

Pagan et al. (2022) berichteten bei Vollblütern eine Verringerung schwerer Magengeschwüre von 38 % auf 8%.

⚖️ EQUINES METABOLISCHES SYNDROM (EMS) / INSULIN DYSREGULATION (ID)

Elzinga et al. (2019) zeigten, dass 16 g DHA/Tag über 46 Tage die Lipidprofile verbesserten und die Triglyceridwerte signifikant senkten.

Hess et al. (2012) belegten, dass die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren durch ein DHA-reiches Nutrazeutikum die Insulinsensitivität bei Pferden signifikant verbesserte.

🦴 GELENKSERKRANKUNGEN

Ross‑Jones et al. (2016) dokumentierten bei experimentell induzierter Synovitis eine deutliche Reduktion entzündlicher Marker.

💪 MUSKELREGENERATION

Hess et al. (2012) wiesen den Einbau von EPA/DHA in Muskelzellmembranen nach – ein Hinweis auf bessere Belastbarkeit und Regeneration.

🧠 NERVENSYSTEM

DHA unterstützt Synapsenbildung und moduliert Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin. Für Pferde liegen hierzu jedoch nur indirekte Evidenzen aus anderen Säugetieren sowie aus der allgemeinen DHA‑Biochemie vor – biologisch plausibel, aber nicht spezifisch belegt.

🦟 SOMMEREKZEM

Anekdotische Berichte zeigen, dass Pferde nach langfristiger DHA‑Supplementierung im zweiten Jahr häufig eine mildere klinische Symptomatik entwickeln. Wissenschaftlich gestützt wird dies indirekt durch die Evidenz bei anderen Spezies und die bekannten entzündungsmodulierenden Mechanismen von DHA.

4. Wie belastbar sind die Studien

Die wissenschaftliche Evidenz zu Omega‑3‑Fettsäuren beim Pferd ist im Vergleich zu anderen Spezies geringer und zudem unterschiedlich stark ausgeprägt:

  • stärkste Evidenz: Atemwegserkrankungen, Magen (GSGD)
  • mittlere Evidenz: Stoffwechsel (EMS, ID), Gelenke (Arthritis)
  • schwache Evidenz: Magen (EGGD) Nervensystem, Haut (Sommerekzem)

Dennoch gilt:

➡️ Die physiologischen Wirkmechanismen von EPA und DHA sind bei allen Säugetieren gut belegt.

Dazu gehören:

  • Einbau in Zellmembranen
  • Modulation entzündungsrelevanter Signalwege
  • Einfluss auf die Eicosanoid‑Synthese

Diese Grundlagen erlauben es, Erkenntnisse aus anderen Spezies vorsichtig auf Pferde zu übertragen.  Die Wirkung ist biologisch plausibel – auch wenn sie nicht in allen Bereichen spezifisch für das Pferd nachgewiesen ist.

Beispielsweise führte in der oben genannten Studie (Pagan et al., 2022) die Supplementierung mit EPA/DHA zu einer signifikanten Senkung der Häufigkeit (Prävalenz) und des Schweregrads von Magengeschwüren im drüsenlosen Teil des Magens (ESGD). Auch wenn speziell für die Drüsenschleimhaut (EGGD) noch klinische Studien fehlen, wird aufgrund der nachgewiesenen systemischen entzündungshemmenden Wirkung von EPA und DHA davon ausgegangen, dass EPA und DHA auch bei der Drüsenschleimhaut protektiv wirken können. Da EGGD oft als eine Form von Gastritis (Magenschleimhautentzündung) eingestuft wird, gilt der Einsatz von Algenöl hier als sinnvolle ergänzende diätetische Therapieoption.

5. Wie du Qualität erkennst

Hochwertige Omega‑3‑Produkte zeichnen sich aus durch:

  • Klare Angaben zu EPA und DHA: Entscheidend ist der tatsächliche Gehalt an wirksamen Fettsäuren – nicht die Gesamtölmenge.
  • Neutraler Geruch: Frische Öle riechen kaum. Starker Geruch deutet auf Oxidation hin. 
  • Oxidationsschutz: Hochwertige Produkte enthalten Antioxidantien wie Vitamin E, um die Stabilität nach dem Öffnen zu sichern. Alternativ Vakuumbeutel
  • TOTOX-Wert: Internationaler Qualitätsindikator für Oxidation. Je niedriger, desto frischer und stabiler das Öl.

 Fazit

Omega‑3‑Fettsäuren spielen eine zentrale Rolle für Entzündungsregulation, Stoffwechsel und Regeneration. Viele Pferde sind heute unterversorgt – oft ohne sichtbare Symptome.
Mit hochwertigen Quellen und klarer Dosierung lässt sich die Versorgung zuverlässig verbessern und bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen ernährungstherapeutisch unterstützen.

 Möchtest du wissen, ob du dein Pferd mit Omega‑3 unterstützen kannst? Sende mir gerne eine E‑Mail an info@sabinegranz.de mit dem Betreff „Omega-3“ und erhalte eine kostenlose Kurzberatung per Telefon.